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Projekt-Bilanz

‚TV-StadtReporter’ war für uns in jeder Hinsicht ein sehr intensives Projekt. Es hat die Kapazitäten für die Organisatoren, die Pädagogen, die teilnehmenden Kinder, die Anzahl der möglichen Reportagen, ihrer TV-Sendungen und Internet-Veröffentlichungen ausgeschöpft – mit Lernen, Produktivität und Spass.

Darin war auch Kritik enthalten. Sie wurde geäußert in den ersten beiden Redaktionsgruppen: zu viel Hektik. Der Grund: Mit den Kindern der Redaktionsgruppen in Hannover-Linden und –Südstadt wurden Themen behandelt, die erheblichen Zeitaufwand für Wege zu den Drehorten mit sich brachten. Außerdem haben wir die einzelnen Themen stets mit der gesamten Gruppe (12 bzw. 13 Kinder) erarbeitet. Das wurde in den folgenden Redaktionen konsequent geändert. Drehorte mussten in wenigen Minuten erreichbar sein. Von Anfang an wurde in Kleingruppen zeitgleich an zwei bis vier Themen gearbeitet. Das ergab auch eine bessere Konzentration der Betreuer auf die Kinder und eine bessere Konzentration der Kinder auf ihr Thema.

In allen Gruppen wünschten sich zum Schluss etwa 80% der Kinder, weitermachen zu können und eine Fortsetzung angeboten zu bekommen. Die Anwesenheit der Kinder war in allen Gruppen sehr zufriedenstellend. Nur zwei haben ihre Teilnahme vorzeitig wegen Schulpraktika abgebrochen. Abwesenheiten durch Krankheit oder sonstige Verhinderungen blieben immer in einem geringen Umfang, so dass jedes Treffen produktiv blieb. Persönliche Konflikte innerhalb der Gruppen waren selten und konnten kurzfristig zu einer Einigung gebracht werden.

Die Findung und Ausgestaltung der Themen richtete sich nach den Ideen der Kinder, so, wie es unserem Ansatz entsprach. In den ersten zwei Gruppen wurde mit globalen Themenvorschlägen wie ‚Interessante Orte’, ‚Prominente’, ‚Politiker’, ‚Freizeit’ etc. eine Ideenwerkstatt gemacht. Wir mussten dabei feststellen, dass die Ideen sehr ungenau blieben und mit unseren Möglichkeiten oft nur schwer umsetzbar waren. Die Vorstellungen der Kinder mussten also weit ‚heruntergeschraubt’ werden. Das führte auch zu den zeitraubenden Wegen zu den Drehorten. In den folgenden Gruppen wurde die Themenfindung auf den Bereich des Stadtteiles bezogen oder auf Themen, die die Kinder persönlich darstellen konnten (z.B. Hobbies oder andere eigene Aktivitäten). Diese von uns vorgegebene Eingrenzung wirkte sich nicht nachteilig auf die Motivation der Kinder aus. Zusammen mit den Kultureinrichtungen wurden zur Vorbereitung der Redaktionsgruppen Infomaterialien zusammengestellt, die Anregungen für stadtteilbezogene Themen gaben. Gelegentlich entstand auch aus einem fertiggestellten Bericht die Idee zu einem neuen. Die Ausgestaltung des Themas, also der Aufbau des Berichtes, wurde nicht vollständig geplant, sondern begann grundsätzlich mit der Entwicklung von drei bis sechs Kernfragen, die meistens in Interviews umgesetzt wurden. Danach wurde beraten, wie weit das Thema durch weitere Recherche, Drehorte, Interviewpartner oder Kommentartexte abgerundet werden sollte. Diese Abrundung gelang auch aufgrund der Erfahrungen der Betreuer zunehmend besser – sowohl in der Zeitspanne der Gruppen als auch im gesamten Verlauf des Projektes. Recherchen wurden von Kindern per Internet geleistet; zusätzlich brachten die Medientrainer Hintergrundinformationen in die Gruppen ein. Fast immer waren auch Drehgenehmigungen einzuholen, die grundsätzlich und häufig recht aufwendig von der Projektleitung organisiert wurden. (Die Drehgenehmigung mit einem Kontaktbeamten der Polizei erstreckte sich über fast drei Wochen.)

Die Vermittlung von journalistischem Know-how, Kameratechnik, Videoschnitt und –gestaltung entsprach durchgängig dem geplanten Ansatz. Jedes erste Treffen der Gruppen enthielt drei Elemente: Eine Vorstellungsrunde vor der Kamera, eine Einführung in den Umgang mit Kamera, Mikrofon und Stativ und den ersten Block zur Themenfindung. Die Technik-Einführung wurde in Kleingruppen mit dem systematischen Üben von Handgriffen und Funktionen ausgeführt. Alle weiteren technischen Fertigkeiten wurden sukzessive im Learning-by-doing erworben. Wir machten die Erfahrung, dass die Kinder zumeist nicht den Wunsch hatten, sich auf eine bestimmte Tätigkeit zu spezialisieren – was wir durchaus akzeptiert hätten. Stärker war ihr Bedürfnis, verschiedene ‚Rollen’ spielen zu können. Allerdings hat es für den Videoschnitt häufiger eine Spezialisierung gegeben – in den meisten Fällen von Mädchen. Zur Vertiefung aller technischen und journalistischen Aspekte wurden zehnminütige Blöcke in den Ablauf der Treffen eingebaut, in denen die Betreuer konzentriert ‚Wissen vermittelten’, auch mithilfe von Merkblättern (v.a. für filmische Einstellungsgrößen, Storyboard, Fragetechnik).
Unserem eigenen Anspruch, keinen (verschulten) Lehrgang zu veranstalten, sondern eine lebendige Mischung von Lernen, ernsthafter Produktion und Spaß sind wir weitgehend gerecht geworden. Nach einer ausführlichen Abschlussbesprechung im Team der Medientrainer bleibt allerdings der Wunsch, jeden Aspekt noch optimieren zu können. Die Rückmeldungen der Kinder geben uns aber die Sicherheit, individuell ganz unterschiedliche Mischungen von Lernen, Erleben und dem Berühren von Grenzen vermittelt zu haben.

Motivation und Erfahrungen der Kinder: Die offene Ausschreibung des Projektes hat sehr motivierte Kinder zur Teilnahme gebracht. Viele von ihnen waren am Fernsehen schon als Berufsfeld interessiert, andere an der Technik oder am Know how zum Filmen. Die meisten waren von sehr aufgeschlossener Art, viele aber hatten in der Live-Situation vor oder hinter der Kamera Hemmungen zu überwinden. Das gelang vor allem dadurch, dass die Kinder immer wieder Gelegenheit hatten, verschiedene Aufgaben zu übernehmen, von einander zu lernen und – bestärkt von den Betreuern – die ‚Herausforderung’ bei nächster Gelegenheit erneut anzugehen. Aufregend und reich an Erfahrungen mit den Reaktionen von Erwachsenen waren die spontanen Straßeninterviews mit Passanten, wozu immer wieder ein gutes Maß an Mut zur Ansprache und Reaktion gehörte. Spannend und motivierend waren auch die Berichte, bei denen als ReporterIn ein Blick hinter die Kulissen geworfen werden konnte, z.B. Fernsehsender h1, SeaLife, Üstra oder Friedhof. Ganz generell: Die Kinder konnten erfahren, dass Themen komplexer sind als ihre mediale Darstellung und dass eine mediale Darstellung quasi in jeder Sekunde eine Konstruktion, eine gestaltete Auswahl ist.

Die Zusammenarbeit mit studentischen Praktikanten als Medientrainer hat sich bewährt. Durch Vermittlung der Universität Hannover haben insgesamt sechs StudentInnen regelmäßig in den Gruppen mitgearbeitet. Alle kamen aus pädagogischen Studienfächern und hatten Vorerfahrungen mit Medien- bzw. Videotechnik. Alle StudentInnen wurden von uns zusätzlich in Kamera- und Schnitttechnik geschult. Sie nahmen grundsätzlich auch an allen Vor- und Nachbereitungen der Gruppentermine teil. So konnte jede Redaktionsgruppe mit vier Personen betreut werden. Nur so war es möglich, in den parallel arbeitenden Teilgruppen der Redaktionen sehr produktiv werden zu können und ein hohes Maß an pädagogischer Betreuung zu erreichen.

Die Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Stadtteil-Kulturarbeit war eine sinnvolle Vernetzung. In allen Fällen unterstützten die Einrichtungen die Bewerbung des Projektes, in dem sie das Angebot in ihre hauseigenen Publikationen aufnahmen und auch Pressekontakte herstellten. Unterschiedlich waren die Möglichkeiten für die Unterstützung bei der Themenauswahl und der Recherche. Insgesamt war die dezentrale Struktur von Redaktionensgruppen in diesen Einrichtungen und in den verschiedenen Stadtteilen eine richtige Organisationsform, weil sie den Kindern eine leichte Erreichbarkeit sicherte und weil – ganz entscheidend – nur so eine ebenfalls leichte Erreichbarkeit der stadtteilbezogenen Berichtsthemen möglich war.

TeilnehmerInnen insgesamt: 68
Berichte insgesamt: 38
Sendungen bei h1 insgesamt: 12 (+ 12 Wiederholungen)

 

Ausblick

Wir möchten das Projekt ‚TV-StadtReporter’ im Jahr 2008 erneut ins Leben rufen. Es soll möglichst zu einem festen Bestandteil der Medienbildung und Kulturarbeit für Kinder und Jugendliche in Hannover werden. Zurzeit wird ein Konzept vorbereitet, dass das Potenzial von erneuten Anfängergruppen und einer qualitativ höher angelegten Arbeit mit Fortgeschrittenen bzw. etwas älteren Jugendlichen (bis 16 Jahre) nutzen kann. Hierzu sollte ein engerer Verbund sowohl mit dem TV-Bürgersender ‚h1’ wie auch mit der Kinder- und Jugendkulturarbeit der Stadt Hannover eingegangen werden. Geplant ist darüber hinaus, die TV-StadtReporter als flexible und integrale Gruppe zur Dokumentation oder Begleitung von themenorientierten Projekten zu etablieren.

 

 

Ein Projekt des Medienpädagogischen Zentrums in Kooperation mit der Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Bildung und Qualifizierung und mit dem Medienzentrum der Region Hannover.
Gefördert durch Niedersächsische Lottostiftung , Aktion Mensch und Landeshauptstadt Hannover .